Rechts – Links


Die Begriffe „rechts“ und „links“ dienen zur groben politischen Einordnung einer Person oder Partei. Dabei können unterschiedlichste Positionen unter die jeweilige Bezeichnung fallen. Man kann sagen, dass linke Positionen tendenziell von der Gleichheit der Menschen ausgehen, während rechte Positionen die Unterschiede der Menschen betonen. Während „links“ von vielen Menschen und Parteien als positive Marke genutzt wird, ist der Begriff „rechts“ eindeutig negativ konnotiert und wird selten als Eigenbezeichnung genutzt.

Ihren Ursprung haben diese Begriffe in der ersten französischen Nationalversammlung. Dort saßen die „Bewegungsparteien“, die eher einen gesellschaftlichen Wandel wollten auf der linken Seite, während die „Ordnungsparteien“, die eher die bestehenden Verhältnisse bewahren wollten, rechts saßen.

Stellvertretend für viele Gegensätze

Aus einer bestimmten Einordnung in das links-rechts-Spektrum kann man jedoch nicht automatisch auf bestimmte Positionen schließen. Der Gegensatz „links“ – „rechts“ steht nämlich stellvertretend für verschiedene andere Gegensätze:

Egalitär – Elitär

Da in modernen Demokratien die politische Gleichberechtigung aller Menschen in der Regel erreicht ist, dreht sich dieser Konflikt häufig um die Verteilung des gesellschaftlichen Reichtums. Einige erklären gewisse Unterschiede im Einkommen der Menschen mit unterschiedlicher Leistung und damit für grundsätzlich nicht problematisch. Diese Position lässt sich tendenziell rechts einordnen.

Die anderen sagen, dass das Einkommen weniger von der eigenen Leistung abhängt und mehr von äußeren Faktoren wie Glück und Privilegien. Sie fordern naturgemäß eine höhere Besteuerung des Einkommens. Diese Position vertreten tendenziell eher Parteien des linken Spektrums.

Während eine willkürliche Ungleichbehandlung aufgrund der Hautfarbe, des Geschlechts oder der Herkunft in der Regel geächtet ist, ist eine weitere zentrale Fragestellung dieses Konflikts, inwiefern die Gemeinschaft die aus dieser trotzdem stattfindenden Diskriminierung entstehenden Nachteile ausgleichen sollte.

Progressiv – Konservativ

In der Anfangszeit der europäischen Demokratien traten linke Parteien häufig für die Durchsetzung von Menschenrechten und die Verbesserung der Lebensumstände der Arbeiter ein – also eine Erneuerung der Gesellschaft. Sie bezeichneten das als gesellschaftlichen Fortschritt, also Progressivität.

Rechte Parteien traten währenddessen eher für die Wahrung des Status Quo ein und beriefen sich auf traditionelle gesellschaftliche Normen. Das wurde bewahrend, also konservativ, genannt.

Heutzutage ist diese Einordnung aber mal wieder sehr umstritten. Zum einen haben eher rechts stehend Parteien eigene Ideen zur Modernisierung entwickelt. Zum anderen besteht innerhalb des linken Spektrums und auch der gesamten Gesellschaft keine Einigkeit darüber, welche politischen Ideen überhaupt gesellschaftlichen Fortschritt (Progressivität) mit sich bringen.

Unklare Einordnung

Während sich die zwei der drei traditionellen politischen Strömungen recht klar einordnen lassen – Konservatismus rechts, Sozialismus links – lässt sich die dritte Strömung – der Liberalismus – nur schwer einordnen. Die verschiedenen Unterströmungen werden teils als eher links und teils als eher rechts bezeichnet. Auch die seit den 80er Jahren an Popularität gewinnenden grünen Parteien sind alle unterschiedlich ausgerichtet.

Die großen Parteien vieler europäischer Länder bezeichnen sich häufig auch als „Partei der Mitte“, egal, ob diese nun eher sozialdemokratisch, liberal oder konservativ sind.

Situation in Deutschland

Es ist natürlich ganz interessant, einmal die Einordnung der größeren deutschen Parteien in das links-rechts-Spektrum zu betrachten.

Die Linke ist – wie der Name schon vermuten lässt – klar links einzuordnen.

Die SPD bezeichnet sich in ihren Grundsatzprogrammen meistens als „linke Volkspartei“. In der Grundausrichtung ist das auch eindeutig so. Interessanterweise war die SPD aber häufig dann erfolgreich, wenn sie mit Kandidaten antrat, die nicht als klassisch links wahrgenommen wurden. Beispiele sind die letzten beiden SPD-Kanzler Schröder und Schmidt.

Bündnis 90/ Die Grünen sitzen im Bundestag rechts neben der SPD. Das hat aber eher historische Gründe – die Partei wird in der Regel links der SPD eingeordnet.

Die CDU bezeichnet sich selbst als „Volkspartei der Mitte“. Sie ist grundsätzlich konservativ und somit eher auf der rechten Seite des Spektrums einzuordnen. Ihr wird aber immer wieder nachgesagt, in den letzten Jahren weiter nach links gerutscht zu sein.
Die CSU ist deutlich konservativer als die CDU und somit klar auf der rechten Seite einzuordnen.

Die FDP ist als liberale Partei besonders schwierig zu bewerten. Sie steht aber im europäischen Vergleich der liberalen Parteien eher rechts.

Die AfD ist klar rechts einzuordnen.